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Nachlese zum Sustainable Future Camp in Mainz

So, jetzt nochmal ausführlich.


Welche Erfolge gibt es zu feiern? Worum ging es inhaltlich? Was machen wir nächstes Mal besser und bei wem möchten wir uns bedanken?


Nachdem wir hier schon einen kleinen Rückblick auf das Barcamp am 16.7.2022 verfasst haben, ist es jetzt Zeit für den großen Rückblick.



Unser Ziel war es, ein offenes Format für alles zu schaffen, was mit Nachhaltigkeit zu tun hat. “Offen” sagt sich so einfach, deswegen war es uns wichtig, das Wort schon in der Planung mit Bedeutung zu füllen: Wir wollten nicht nur dazu einladen, vorbeizukommen und Inhalte mitzunehmen, sondern gezielt dazu ermutigen, eigene Ideen mitzubringen, Fragen zu stellen, zu präzisieren, mit anderen zu diskutieren, in Mini-Workshops auszubauen und mit dem Ende der Veranstaltung gleichzeitig den Start für alles zu markieren, was danach passiert. Dank der Leute, die dabei waren, hat das geklappt!


Wir alle haben unseren eigenen Blick auf Nachhaltigkeit, abhängig vom Kontext, in dem wir uns beruflich und privat bewegen. Ob es um Ernährung oder Unternehmensberatung, Permakulturen oder Politik geht: Zu allen Bereichen hat sich Expertise beim Barcamp versammelt. Große und kleine Fragen und Antworten haben Platz gefunden.


Außerdem ist aufgefallen: Über die Hälfte der gut 50 Teilnehmer:innen waren vorher noch nie auf einem Barcamp. Die gezielten Einladungen haben sich ausgezahlt und das Format kam gut an. Auch bei der Stadt Mainz: Für die nächste Ausgabe arbeiten wir wieder eng zusammen und kooperieren mit der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt.


Ein paar Beispiele für das, worüber wir gesprochen haben


Beim Thema Nachhaltigkeit und Social Media hat uns die Mainzer Influencerin Julia erzählt, dass hinter nachhaltigen Storytelling manchmal auch Greenwashing steckt. Die Fragen, die sie sich stellt: Wo lassen sich sinnvolle Grenzen ziehen und Dinge identifizieren, die es wert sind, darüber zu berichten? Welche Informationen müssen gezielt gesucht werden? Wie sieht ganz allgemein ein gesunder Umgang mit Social Media aus, um nicht in einer Aufmerksamkeitsfalle zu enden und bei der stetigen Produktion von Inhalten auch auf sich selbst zu achten?


Das Thema Fermentation hat der Hof Lebensberg zum Anlass genommen, über nicht verkauftes Gemüse zu sprechen und zu berichten, was damit passiert. Ob Kartoffeln oder Kohl: Durch Fermentation lassen sich übriggebliebene Lebensmittel oft jahrelang haltbar machen und werden zu Sauerkraut, Kartoffelsalat, Kimchi-Sauce und fermentierten Crackern, statt entsorgt zu werden. Zum Glück war dieser Beitrag nicht nur theoretisch.


Die Sessions Rethink the Political System und Fast Fashion wurden zusammengelegt.

Zunächst ging es um ein deutsch-kolumbianisches Ehepaar, das ein Startup für faire Mode gegründet hat und mit sozial gehandelten, nachhaltig produzierten Stoffen Kleidung für Deutschland produziert. Politische Themen haben dann ebenso Platz gefunden und es wurde darüber gesprochen, dass althergebrachte politische Systeme Innovationen manchmal erschweren. Zeit für “the next big thing”!


Im Slot Diversität und Clubkultur ging es dagegen um ein sehr lokales, konkretes Anliegen. Mit dem Ziel, in Clubs diskriminierungsfreie Räume zu schaffen, entwickelte sich die Frage “Was kann ich von anderen erfahren, damit ich starten kann?” Die Session verlief entsprechend praktisch und umsetzungsorientiert.


Was ist eigentlich passiert, wenn ein Thema nicht “fertig” besprochen werden konnte?

Gerade bei Angelegenheiten wie politischer Veränderung lässt sich nicht alles an einem Nachmittag klären. Auch bei anderen größeren Themen wie Nachhaltigkeit und Organisationsentwicklung oder Regenerativer Landwirtschaft hat sich gezeigt, dass sich nicht alle Fragen sofort abschließend beantworten lassen. Impulse und Gedanken lassen sich aber sehr wohl finden. Beides macht die nächste Diskussion ein Stück fundierter als die letzte und sorgt auf lange Sicht dafür, dass das Thema zugänglicher und greifbarer wird.


Wenn jemand ein Thema mit innerer Unzufriedenheit verlassen hat, dann nur, weil ein guter Ansatz gefunden wurde, das Anliegen zu lösen und noch viel Arbeit wartet. Wir haben gelernt: Die größeren unter den Themen lassen sich nicht komplett lösen – ein motivierender Anfang lässt sich jedoch immer finden.


Die Dinge, über die wir uns besonders gefreut haben


Das Barcamp lebt von Engagement und Vielfalt. Diese beiden Wörter können schnell überlesen werden. Wir meinen das so: Es waren überraschend viele Sessions, die gegeben wurden. Das zeigt, wie viel Interesse und Leidenschaft es beim Thema Nachhaltigkeit gibt. Uns ist es wichtig, dass dieses große Thema niemand mit sich alleine ausmachen muss, sondern in den Dialog geht und Verbündete findet.


Was uns durch den Tag begleitet hat, war die Energie vor Ort. Zu Beginn hatten wir kurz die Sorge, dass wir nicht alle Slots ausreichend besetzen können. Die Bedenken waren unbegründet: Entweder waren die Teilnehmer:innen motiviert, eine eigene Session anzuleiten oder sie wollten einen Beitrag zu den Sessions anderer leisten. Sogar Manuela Matz, die Dezernentin Landeshauptstadt Mainz (aus dem Dezernat für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Liegenschaften und Ordnungswesen und bei uns auf ihrem ersten Barcamp!) hatte ein Thema dabei. Mehr als drei Viertel der Leute kamen nicht unter dem Motto “ich sehe mir das mal an” zum Barcamp, sondern haben aktiv ein Event gestaltet und sich spontan auf die Bühne gestellt, das eigene Thema am Flipchart präsentiert, Werbung dafür gemacht und andere dazu animiert, etwas beizutragen.


Bei jedem Thema war am Ende jemand dabei, niemand ist leer ausgegangen. Wir hatten so viele Themen, dass es eine organisatorische Herausforderung wurde, alle unterzubringen. Einige Sessions mussten die Teilnehmer:innen förmlich verpassen, weil mehrere interessante Themen gleichzeitig stattgefunden haben (die Liste mit allen Beiträgen findet ihr unten).


Außerdem freuen wir uns über die Kooperationen, die sich aus der Veranstaltung entwickelt haben. Um unsere Arbeit herum steht ein Netzwerk, das sich in kürzester Zeit selbst trägt und zusammen weitermachen möchte.


Letztendlich hat sich gezeigt: Die Energie hat bis in die vierte Runde Sessions gehalten und das familiäre Abendessen war wohlverdient. Danke, dass so viele interessante Leute aus Mainz und der Umgebung gekommen sind!


Wie geht es weiter?


Es gibt nicht nur viel zu feiern, sondern auch viel zu lernen.


Auf der organisatorischen Seite möchten wir nächstes Mal mehr Aufwand investieren, Sessions sinnvoll zusammenzulegen. Dazu wollen wir gleich im Eingangsbereich die Fragen stellen, mit welcher Motivation die Teilnehmer:innen zu uns kommen. Damit möchten wir eine Grundlage schaffen, auch überregionale Gäste besser miteinander zu vernetzen.


A propos überregional: Fürs nächste Mal haben wir uns vorgenommen, nicht nur das Mainzer Netzwerk weiter zu festigen, sondern Menschen aus Offenbach, Frankfurt und ganz Hessen zu uns zu holen.


Und wir sagen ganz ehrlich: Unser Ziel ist es auch, kostendeckend zu arbeiten, beispielsweise durch einen eigenen Ticketvertrieb. Eventuelle Überschüsse können wir dann gezielt spenden, vielleicht sogar an eine Initiative, die wir auf dem nächsten Barcamp kennenlernen. Diesmal war es uns eine Herzensangelegenheit, die Ausgaben zu stemmen, nächstes Mal möchten wir dann dafür sorgen, dass das Barcamp zum Dauerbrenner werden kann und wir auch weiterhin die Arbeit von zwei Teams, externe Moderation und eines Tages Spenden ermöglichen.


Eine Menge Unterstützung, für die wir uns bedanken möchten


Für die Räumlichkeiten und die Zusammenarbeit bei der Organisation möchten wir uns beim Coworking Space M1 und den Menschen dahinter, nämlich bei Synthro, bedanken. Besonders hervorzuheben ist hierbei Nevin Urunc, mit der wir von Anfang bis Ende zusammengearbeitet haben.


Nicht fehlen darf natürlich die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Mainz sowie das dortige Dezernat für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Liegenschaften und Ordnungswesen und insbesondere die Dezernentin Manuela Matz.


Für Sponsoring und Verpflegung mit Zero-Waste-Bier hat Knärzje gesorgt.


Für die Moderation bedanken wir uns bei Anna Groos von quäntchen + glück.


Nicht zuletzt bedanken wir uns bei allen, die ein Unterstützer-Ticket gekauft haben und damit die Veranstaltung ebenso möglich gemacht haben wie alle, die vor Ort und hinter den Kulissen dabei waren.


Also: vielen Dank!


Save the date


Am 18.11. findet die nächste Ausgabe des Barcamps statt. Wir treffen uns wieder im M1. Alle Details zur Veranstaltung erfahrt ihr rechtzeitig von uns. Bis dahin – wir freuen uns auf euch!


Die Liste der Sessions

  • Nachhaltigkeit in der Produktion vor dem Hintergrund der Energiekrise

  • Wie finanzieren wir Non-Profit-Work?

  • Sustainable Future Camp Future

  • Nachhaltigkeit und Organisationsentwicklung

  • Ernährung der Zukunft

  • Inner Development Goals

  • Nachhaltigkeit und Social Media

  • Ein halbes Jahr Landleben auf Probe

  • Regenerative Landwirtschaft – Neue Wege mit alten Methoden

  • Lebensstil Selbstcoaching

  • Nachhaltige Hotels

  • Eco System Building

  • Klimacafé

  • Klima ohne Krise

  • Turn it off-Bewegung

  • Gründung einer Initiative für Awareness im Nachtleben

  • Nachhaltigkeit im Alltag

  • Fermentation: Sauerkraut

  • Fast Fashion

  • Rethink The Political System