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Visionsentwicklung

… und was macht ihr da so?


Der Elevator Pitch ist das eine. Wer aber als Person, Gruppe oder Organisation gerade nicht auf der Suche nach dem Exit ist, braucht eine etwas andere Möglichkeit, das eigene Handeln zu beschreiben.


Bevor man dann nur seine Branche oder sein Tagesgeschäft aufführt, ist ein catchy Catchphrase vielleicht hilfreicher. “Ich mach Beratung und fahr gleich zum Kunden…” – “Aha.”


Um diese Gespräche zu vermeiden, entwickeln wir für uns und mit anderen klare Visionen, die persönliches und unternehmerisches Handeln nicht nur leiten, sondern auch erklären (und vielleicht doch ein bisschen bewerben) können.


Einen kleinsten gemeinsamen Nenner hat jede Gruppe

Eins noch vorweg: Hier geht es nicht um die Vision als Marketing- und Branding-Instrument. Beides sind natürlich erwünschte Nebeneffekte, denn was nach innen mitreißend ist, muss nach außen nicht verschwiegen werden. Wir widmen uns allerdings der Vision für die eigene Arbeit.


Wenn wir beispielsweise mit einem Führungsteam arbeiten, das die gemeinsame Arbeit unter ein Dach bringen möchte, stellen wir Fragen und suchen diejenigen Schnittmengen in den Antworten, die von allen mitgetragen und vertreten werden können.


Für ein ehrliches “keine Ahnung was ich hier soll” wäre zwar auch Platz, aber dazu kommt es nur sehr selten. Meistens sind in den einzelnen Köpfen schon Vorstellungen darüber vorhanden, was ein größeres Ziel der gemeinsamen Aktivitäten ist und welchen Mehrwert man in die Welt tragen möchte.


Es gilt also, das alles aufzudecken, zusammenzuführen und möglichst präzise und anregend zu formulieren – und zwar so, dass weiterhin alle dahinterstehen können, obwohl vielleicht Teile der eigenen Idee unterwegs aufgegeben oder verändert werden müssen. Auf einen Kompass und eine Karte muss man sich schließlich auch irgendwie einigen, auch wenn die Karte immer nur ein Modell bleibt.


Wohin soll es gehen?
  • Heute in 20 Jahren: wo stehen wir?

  • Wie haben wir das geschafft?

  • Welche Werte waren uns unterwegs wichtig?

  • Was hat uns geleitet, motiviert und unserem Anliegen eine gewisse Dringlichkeit gegeben?

  • Welche schlauen und legitimen Abkürzungen konnten wir nehmen?

  • Was durften wir nicht überspringen oder vergessen?

Mit Fragen wie diesen bewegen wir uns gemeinsam mit unseren Gesprächspartnern in Richtung einer Formulierung für eine Vision. Unterwegs gilt es immer wieder zu überprüfen, ob noch alle mitziehen können oder ob ein Teil von dem, was gerade besprochen wird, einzelnen fremd wird.


Nach zwei Runden mit zeitlichem Abstand dazwischen, manchmal schon nach einer, gelangen wir so zu einem Entwurf, der konsensfähig ist. Einzelne Wörter werden oft noch getauscht, damit es wirklich rund wird und alle sich in der Formulierung wiederfinden.


Ein bisschen Offenheit

Wie konkret oder unkonkret sollte ein Vision sein? Der angemessene Weg liegt in der Mitte. Was am Ende als Statement herauskommt, sollte keine Verständnisfragen aufwerfen, aber auch nicht so starr sein, dass keine Interpretation möglich ist.


Eine gewisse Unkonkretheit behält sich vor, in einer ungewissen Zukunft Stabilität oder (Achtung, Trendwort) Resilienz zu erhalten. Neue Rahmenbedingungen sollten jedenfalls nicht sofort dazu führen, dass eine einmal verfasste Vision sofort untauglich wird, weil sie die Anpassungsleistung nicht vollbringen kann.


Gleichzeitig gilt es, nicht so vage zu sein, dass die Verbindung zum Tagesgeschäft nicht zu leisten ist.


Und was macht man damit?

Der Arbeitsalltag ist das, was die Vision am Ende mit Leben füllt. Anders als beim Visionsreaktor Fusionsreaktor, der irgendwie immer “noch 20 Jahre weg” ist (und das sowohl vor 20 Jahren als auch heute), lässt sich eine ideale Vision jeden Tag in der Arbeit wiederfinden und einzelne Tätigkeiten sind mit ihr verbunden.


Es geht also weniger um den oben erwähnten kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern um ein gemeinsames Verständnis eines Fundaments, auf dem etwas errichtet werden kann.


Und dieses Errichten findet von Tag zu Tag in kleinen Schritten statt, wobei die richtige Richtung aus der formulierten Vision kommt. So wird der Weg klar, im Idealfall ist immer bekannt warum etwas passiert und einzelne Schritte lassen sich dahingehend überprüfen, ob sie noch im Einklang mit der Vision sind oder diese unterwandern.


Karte und Kompass eben.